Die Architekturstudenten Rupert Asanger und Florian Volderauer aus Österreicher haben einen Holz-Arbeitsstuhl entwickelt, der Vielsitzer vor Haltungsschäden bewahren könnte. Als Tischler und Schlosser sind sie das perfekte Duo. Wir haben mit ihnen über „Egon“ gesprochen.

Foto: Rupert Asanger, Steyregg/A

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Wie seid ihr auf die Idee für „Egon“ gekommen?

Florian Volderauer
Ursprünglich war es eine Seminararbeit. Die Aufgabe war, ein modernes und ergonomisches Sitzmöbel zu entwickeln. Der menschliche Körper ist ja nicht für längeres Sitzen gebaut. Aber wenn man die Sitzposition öfter wechselt, verteilt sich die Belastung auf den Körper. Darum sollte unser Stuhl die Lenden- und Rückenmuskulatur unterstützen und jede Bewegung des Körpers flexibel aufnehmen.

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Wie habt ihr das erreicht?

Rupert Asanger
Unser aktueller „Egon“ hat nur einen einzigen Hauptholm. Er dient unten als Feder für die Sitzdynamik und oben als zweigeteilte Rückenlehne. Sie soll die  Muskeln direkt neben der Wirbelsäule unterstützen. Durch den Schwung im Holm ist der Oberkörper aufrecht und im Becken leicht nach vorne gebeugt. Das gilt als optimale Sitzposition.

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Und wie bekommt ihr diese geschwungene Form hin?

Florian Volderauer
Zuerst sägen wir Eschefurnier auf die passende Größe. Die Blätter werden besäumt und kommen dann bei etwa 100 Grad in unsere selbstgebaute Dampfkammer, damit sie weich und biegsam werden. Danach pressen wir sie heiß in eine Spannform, die wir speziell dafür konstruiert haben. Da bleiben sie 36 Stunden. Danach sind sie trocken und haben die richtige Form. Wir bestreichen dann die einzelnen Schichten mit einem Spezialkleber und spannen sie zum Verpressen wieder in die Form.

Foto: Rupert Asanger, Steyregg/A

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Ganz schön aufwendig. Wie lange hat es bis zum ersten fertigen Prototypen gedauert?

Rupert Asanger
Es waren weit über 500 Arbeitsstunden, und es gab auch einige Misserfolge. Der erste Versuch mit der Formverleimung ging zum Beispiel schief. Wir haben uns da langsam herangearbeitet. Jetzt bauen wir gerade unseren zweiten Prototypen.

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Warum verwendet ihr gerade Eschenholz?

Rupert Asanger
Das Holz ist sehr fest und elastisch. Tischler verwenden es für stark beanspruchte Werkstücke. Esche wird in gebogener Form auch im Rodelbau verwendet. Wir benutzen den ersten Stuhl jetzt über ein Jahr, und es sind kaum Verformungen zu erkennen.

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Wie geht es denn jetzt weiter mit „Egon“?

Florian Volderauer
Wir wollen eine Firma gründen und „Egon“ zur Marktreife bringen. Ob als Design-Möbelstück oder für therapeutische Zwecke steht noch nicht fest. Kaufanfragen gibt es jedenfalls schon…

Foto: Rupert Asanger, Steyregg/A

Mehr Infos zu Egon: www.der-egon.at