Hittisauer Küchen-Kunst.

Wolfgang Lässer und sein feines Händchen für ganz besondere Küchenmöbel.

Foto: Michael Haller

Im Bregenzer Wald hat man ein feines Gespür für Möbel, Stil und Material. Auch Wolfgang Lässer ist aus diesem Holz geschnitzt. In seiner winzigen Werkstatt hat der Tischler aus Hittisau ein außergewöhnliches Küchenmöbel mit konvexen und konkaven Flächen aus Eichenholz geschaffen: Kunst für den Alltag, die eindrucksvoll zeigt, was mit handgeführten Maschinen alles möglich ist.

Lagern, verstauen, sich treffen, feiern, backen, vorbereiten, kochen, spülen, Kaffee trinken, waschen: Eine Küche hat viele Funktionen, aber nicht in jedem Haus genau die gleichen. Darum muss fast jede Küche anders gedacht und geplant werden. Funktional und formal. Sicher, mit Normmaßen und -elementen geht fast alles. Es geht aber auch anders: Mit handwerklichem Können und dem richtigen Werkzeug sind auch Möbelformen jenseits der Norm realisierbar.

Wolfgang Lässer ist der lebende Beweis dafür. Der selbständige Schreiner ist nach eigener Aussage nicht nur Perfektionist, sondern auch Bildhauer, der Kunstwerke in den Alltag integriert. So hat er als fertiger Meister seinerzeit noch einen Lehrgang für Entwurf und Gestaltung in Italien absolviert. Der kam ihm auch bei der Kücheninsel zugute, die er für eine Bekannte im Bregenzer Wald schuf. „Sie wollte etwas Besonderes haben, was sonst niemand hat und was zugleich ihre speziellen Wünsche erfüllte“, erzählt Lässer. Platz für etwas Besonderes war in der Küche jedenfalls genug da, und so machte Lässer sich ans Werk.

„Ich verstehe mich als Bildhauer, der Kunstwerke in den Alltag integriert.“

Foto: Michael Haller

Der „Holzkristall“ nimmt Gestalt an. Seine Idee war ein „Holzkristall“, wie Lässer das Küchenmöbel gerne nennt. Wegen der besonderen Form des Korpus – und weil es einfach schön klingt. Dem ersten Entwurf folgte ein kleines Modell zum Anfassen und Anschauen. „Meine Bekannte war sofort begeistert“, erinnert sich der Schreiner. Als Nächstes baute Lässer den Entwurf als CAD-Modell auf. Das erleichterte nicht nur die Planung, sondern stellte auch sicher, dass die zugeschnittenen Holzteile bei der späteren Montage exakt passten. Und auch die Änderungen, die es wie bei jedem Kundenprojekt gab, ließen sich auf diese Weise einfach umsetzen.

Foto: Michael Haller

Gemessen an der Größe des „Holzkristalls“ war der Platz in Wolfgang Lässers Werkstatt extrem begrenzt. Platz für stationäre Maschinen: Fehlanzeige. Kapp-, Gehrungs- und Schrägschnitte führte er deshalb mit der Mafell Kappschienen-Säge aus.

Lässer, der sonst eher klassische Möbel wie Tische, Stühle, Betten und Badmöbel mit Bezug zum Bregenzer Wald fertigt, betrachtet den „Holzkristall“ als das bisherige Highlight seiner Arbeit. Dabei hat er mit guten Ideen auch schon andere ausgefallene Dinge entwickelt und realisiert. Neben Brillen aus Holz ist da zum Beispiel seine Baustellenküche nach dem Motto „Gut essen und trinken auf der Baustelle“ zu nennen. Aber auch seine sehr spezielle, hölzerne Variante eines Werkzeugkastens, der „ja immer eine wichtige Schnittstelle zwischen Technik und Handwerker“ ist, wie Lässer weiß. Sein Entwurf schafft deshalb nicht nur Ordnung auf kleinstem Raum, sondern bietet auch eine erstaunliche Funktionalität und Effizienz.

Das gilt auch für den „Holzkristall“, einen eindrucksvollen Küchenmonolithen mit komplexer Formgebung, der an seinen Seiten jedem reichlich Platz bieten sollte. Ziemlich begrenzt hingegen – gemessen an der Dimension des Küchenmöbels – war der Platz in Lässers kleiner Werkstatt. „Mit stationären Maschinen wäre das gar nicht gegangen“, erinnert er sich.

Für stationäre Maschinen war kein Platz. Man sagt, es gebe Möbelformen, die man nur mit großen, stationären Maschinen vernünftig realisieren kann. Dass das nicht unbedingt stimmt, beweist Wolfgang Lässer. Er hat sämtliche Kapp-, Gehrungs- und Schrägschnitte an Fronten und Korpussen mit der Mafell Kappschienen-Säge KSS 400 ausgeführt: „Die Schnittflächen und Winkeleinstellungen sind genauso gut wie bei stationären Maschinen, ich musste nichts nachbearbeiten.“ Außerdem schätzt er die einfachere Handhabung, den viel geringeren Platzbedarf und die niedrigeren Anschaffungskosten.

Foto: Michael Haller

Auch funktional hat Lässer seinem „Holzkristall“ ein paar Leckerbissen mitgegeben, unter anderem durchgehende Schubladen, die von beiden Seiten zugänglich sind. Zu guter Letzt behandelte er sein Werk, das von einer Steinplatte aus dem Bregenzer Wald gekrönt wird, mit schützendem Holzöl. „Das ist ja trotz allem nicht nur ein Designobjekt, sondern vor allem ein Arbeitsplatz“, gesteht Lässer lächelnd. Im Bregenzer Wald hat man eben nicht nur Stil, sondern auch Bodenhaftung.

2017-11-16T08:50:48+00:00 Januar 7th, 2017|Categories: Ausgabe1, Lebensraum|2 Comments

2 Comments

  1. Georg Läßer Februar 11, 2017 at 8:32 am

    Bin über das mafell Aktionsheft auf holzhaltig.com aufmerksam geworden. Als ich auch noch meinen Familiennamen auf dem Titelblatt gelesen habe, wuchs mein Interesse an dem Artikel über Wolfgang Lässer aus dem Bregenzerwald, da meine Vorfahren auch aus Hittisau stammen. Ich bin Zimmerer und auch ein „Holztüftler“. Da ich schon länger mal den Ort meiner Vorfahren besuchen wollte, habe ich jetzt noch einen Grund mehr dafür. Ich würde mich freuen, wenn ich Dich heuer mal besuchen dürfte. Bitte teile mir Deine Adresse mit. Danke!

    • patrick.held Februar 14, 2017 at 8:28 am

      Wir haben deine E-Mail-Adresse an Wolfgang Lässer weitergeleitet. Schön, wenn wir bei einer Familienzusammenführung helfen dürfen 🙂 Haltet uns gerne auf dem Laufenden!

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