Gesägt, getan.

Als Mensch wäre sie eine lebende Legende: Vor gut 25 Jahren erfanden Ingenieure von Mafell die Unterflur-Zugsäge. ERIKA war die erste mobile Säge, die den Job einer stationären machte.

ERIKA ist hübsch, akkurat und scharf, und sie mag es, wenn man sie umarmt“, verkündete augenzwinkernd die englischsprachige Produktbroschüre in den Achtzigerjahren. Das ließ den Schreiner schmunzeln, verschwieg aber das Wichtigste. Schließlich war ERIKA nicht einfach nur eine mobile Tischkreissäge. Doch der Reihe nach.

Die Idee hinter der ERIKA war einfach: Die Mafell Ingenieure hatten die Vision, dass Tischler und Schreiner ihre Zuschnitte auf der Baustelle genauso einfach und präzise wie in der Werkstatt auszuführen konnten. Zum Beispiel bei hochwertigen Paneelen oder beschichteten Spanplatten – eben überall dort, wo es auf exakte, saubere Schnitte ankam. Immer wieder waren Mafell Mitarbeiter von Anwendern darauf angesprochen worden – auf Messen, bei Produktvorführungen, auf Baustellen. Es war der Wunschtraum aller: eine präzise und vielseitige Säge, die man mit zur Arbeit nehmen kann, weil man die Arbeit nicht mit zur Säge nehmen kann.

Fotos: Patrick Held, Michael Haller

Der Einsatzort wird zur Werkstatt. Nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit mit vielen Tests, Rückschlägen und Erfolgserlebnissen waren die Produktentwickler am Ziel. Die Unterflur-Zugsäge war erfunden – ein ganz neues Werkzeug, bei dem sich der Motor samt Sägeblatt auf Gleitrollen präzise durch das Werkstück ziehen lässt – nicht umgekehrt. Das war vor allem ein entscheidender Vorteil hinsichtlich der möglichen Anwendungen, aber auch ein Fortschritt in puncto Sicherheit. Bei Bedarf ließ sich die ERIKA aber auch wie eine herkömmliche Kreissäge mit feststehendem Sägeblatt einsetzen, weshalb sie im Englischen die Gattungsbezeichnung „Pull-Push Saw“ erhielt: Man zieht das Sägeblatt – oder schiebt das Werkstück.

Bei all dem war die ERIKA, die 1980 das Licht des Marktes erblickte, so schlank und leicht, dass sie sich bequem in fast jeden Kofferraum heben ließ. Die hübsche Aussage, dass sie es mochte, „wenn man sie umarmt“, war eben ausgesprochen hintergründig …

„ERIKA ist hübsch, akkurat und scharf – und sie mag es, wenn man sie umarmt.“

Beeindruckend war für die Anwender aber auch, was die ERIKA damals alles konnte – und natürlich auch heute kann. Das reichte von exakten Gehrungsschnitten in Quer- und Längsrichtung über Schifterschnitte („gerade wenn’s schräg zugeht“) und das Hinterschneiden bis hin zum Bearbeiten bereits angeleimter Umleimer.

Das Sägeblatt ließ sich bis 45 Grad schrägstellen, und auch das Zubehör ließ keine Wünsche offen: Doppelanschlag und Längsanschlag waren ebenso vertreten wie ein neuartiger Staubsack, Staubabsaugung, Zusatztische zur Vergrößerung der Auflagefläche, Schwenkauflagen, Klemmhalter, Verstellnuter, Schiebeschlitten, Glasleistenanschläge – und: eine hölzerne Transportkiste, die auch als Unterbau dienen konnte. Das klappbare Metall-Untergestell kam erst später hinzu.

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist seit der Erfindung der Unterflur-Zugsäge vergangen. Die heutigen Modelle der ERIKA stehen dem „Urtyp“ in nichts nach. Im Gegenteil. Mit dem cleveren Multifunktionsanschlag, dem CUprex-Motor und elektronischen Finessen wie z. B. der Drehzahlregelung sind sie noch stärker und vielseitiger. Und statt dem Staubsack von damals gibt es heute ein raffiniertes Spänesammelsystem, das in Form einer Box einfach an die Maschine gehängt wird und manchmal einen Sauger entbehrlich macht.

Es war der Wunschtraum aller: eine präzise und vielseitige Säge, die man mit zur Arbeit nehmen kann, weil man die Arbeit nicht mit zur Säge nehmen kann.

Foto: Ernesto Martens
# Film über die aktuelle Mafell ERIKA: www.mafell.de/erika

Warum eigentlich „ERIKA“? Bleibt noch die Frage nach dem Namen. Warum heißt die ERIKA ERIKA? Eine Erklärung gibt – wieder mal – die alte englische Produktbroschüre. Sie sei schließlich „in Deutschland empfangen, ausgebrütet und aufgezogen worden; und als wir die ersten Prototypen sahen, waren wir so fasziniert, dass wir eher an einen Namen dachten als an eine Nummer.“ Schön erfunden? Auf jeden Fall irgendwie romantisch.

2017-09-05T06:11:16+00:00 Januar 5th, 2017|Categories: Ausgabe1, Zeitreise|0 Comments