Wo gehobelt wird

Ein normales Möbelstück war für Gabriel Faber aus Speyer keine Option. Sein Meisterstück: eine freistehende Hobelbank aus Esche und Nussbaum
mit vielen cleveren und edlen Details.

Foto: David Franck Photography

Gabriel Faber sprüht vor Tatendrang. Er liebt die Abwechslung und das ständige Dazulernen. Auch auf seiner viereinhalbjährigen Wanderschaft durch Europa, Fernost und Nordafrika hat er viel Neues kennen- und lieben gelernt. Mit dem Schmieden kennt er sich genauso aus wie mit Lehmputz, Dachstühlen oder Gas und Wasser. Elektro? „Muss nicht sein, krieg ich aber auch hin“, schmunzelt er.

Während seiner Schreinerausbildung hat Gabriel viele individuelle Möbel gebaut. Sein Meisterstück sollte aber etwas ganz anderes sein: „Ich wollte nichts bauen, was nachher nur im Keller steht.“ Was ihm vorschwebte, war eine freistehende Hobelbank, die „gestalterisch Akzente setzt und dem Nutzer vielfältige Anwendungen ermöglicht“, wie es in seiner ersten Vorlage zur Meisterprüfung heißt. Elegant und traditionell sollte sie gefertigt sein, in Brett- und Rahmenbauweise, mit dekorativer Schwalbenschwanzverbindung in der Arbeitsplatte.

„Probestücke waren wegen der hohen Holzkosten nicht drin – alles musste beim ersten Versuch passen.“ Schreinermeister Gabriel Faber

Foto: David Franck Photography

Jetzt steht sie vor uns – fast zu schade zum Arbeiten. Natür­lich hat sie Klemmzangen, Ablagen und Anschläge. „Neu erfinden geht bei einer Hobelbank kaum“, gesteht Gabriel. „Ich hab trotzdem versucht, etwas Eigenes reinzubringen.“ Und das ist gelungen. Eine Besonderheit sind die parallel drehenden Doppelspindelzangen. Ein hinter Nussbaumholz verborgener Kettenantrieb macht’s möglich. Der Clou dabei: Die verbundenen Spindeln lassen sich entkoppeln, sodass man die Klemme bei Bedarf leicht schräg zukurbeln kann – etwa für schräge Werk­stücke. „Das hat normalerweise keiner“, sagt der 33-Jährige.

Foto: David Franck Photography

Hinzu kommen eine Menge Details, die Gabriels schmucke Hobelbank von Standard-Modellen abheben. Damit zum Beispiel eingespannte Werkstücke nicht auf den öligen Gewinden aufliegen, hat er seitlich über die gesamte Breite Metallbolzen als Auflagen eingelassen. Die zentrale Werkzeugaufnahme, die sich ebenfalls fast über die gesamte Breite der Hobelbank erstreckt, lässt sich umdrehen und wird dadurch zum weiteren Anschlag. Auch in puncto Metall ist alles vom Feinsten. So hat Gabriel viele der Messing-Bankhaken mit einem Tip-on-Beschlag versehen, sodass die Anschläge einfach durch Drücken aus ihrer Versenkung kommen.

Foto: David Franck Photography

Wie ein kostbarer Schrein wirkt die kleine Aufbewahrungs­truhe, die Gabriel unter der Arbeitsplatte platziert hat. Die auf Gehrung gesägte staubdichte Truhe steht mit Nuten auf durchgehenden Dreiecksleisten, so lässt sie sich nach Bedarf verschieben. Hinter den beiden Türen vorne und hinten verbirgt sich ein gezinkter Schubkasten – natür­lich mit Vollholzauszug. Wegen der hohen Holzkosten waren Probestücke für Gabriel tabu – die Verzapfungen zum Beispiel mussten beim ersten Mal sitzen. „Da überprüft man dann jede Einstellung der Maschine mehrmals, bevor man sie einschaltet“, berichtet er. Und Gabriels großer Traum? „Ich will noch lernen, Baumhäuser zu bauen und irgendwann mit Freunden ein Baumhaushotel hochziehen. Ob’s ein Traum bleibt, wird man sehen.“

Foto: David Franck Photography
2021-05-27T06:51:59+00:00 Mai 27th, 2021|Kategorien: Ausgabe3, Meisterstück|0 Kommentare

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